Hanni und Nanni sind tot

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Posted 12 Apr 2010 in Politik

Das Flugzeugunglück, bei dem der polnische Präsident, Regierungsmitglieder und viele weitere Menschen ums Leben kamen, ist tragisch. Wenn Menschen verunglücken, steht Mitgefühl mit den Angehörigen an erster Stelle. Wenn Prominente verunglücken, packen Redaktionen ihre vorgeschriebenen Nachrufe aus, in denen das Lebenswerk des Verstorbenen eingeordnet und bewertet wird.

Für Lech Kaczynski lagen entweder keine Nachrufe in den Schubladen oder die Mehrheit der Verantwortlichen litt unter Amnesie. ARD, ZDF und spiegel.de berichteten am Samstag über das Unglück, als wären Barack Obama, Peter Sloterdijk und Lech Walensa zusammen gestorben: “Polen trauert um seine geistige Elite”, “Das polnische Volk liebt seinen Präsidenten”. Aha.

Kein Wort über den konservativen Schub, den die Kaczynski-Brüder mit ihrer nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) dem Land gaben. Die Brüder hielten die EU mit ihrer Quotenforderung auf Trab und stellten sich offen gegen Homosexualität. Auch die Situation für Migranten und Asylsuchende ist nicht gerade einfach.

Queer.de berichtet als einer der wenigen auch über die Schattenseiten der polnischen Politik. Die Situation für queerfolk ist trotz gesetzlicher Verbesserungen sehr schwierig. Polen gilt als eins der homophobsten Länder Europas. Kaczynski outete sich mit simpel gestrickten Welt- und Wertvorstellungen: Vom “Aussterben bedroht” wäre die Menschheit, wenn sich nur 50% der Männer nur noch für Männer interessieren würden. “Unvorstellbar”, dass Homosexuellen die gleichen Rechte wie Heterosexuelle bekämen.

Polen verfügt über weitaus geistvollere Geister. Einige von Ihnen saßen ebenfalls in der Unglücksmaschine. Mein Mitgefühl gilt denjenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Um den Politiker Kaczynski trauere ich nicht.

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