Grimme-Preis für die Suche nach Schwulen und Lesben im Fußball

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Posted 12 Mrz 2010 in Sportlich

gestern wurde die DSF Dokumentation “Tabubruch – Der neue Weg von Homosexualität im Fußball” von Aljoscha Pause mit dem Fernseh-Grimme- Preis ausgezeichnet. In der Begründung schreibt die Jury:

“Das ist ein Thema, das weder gute Einschaltquoten verspricht, noch aufregende Schlagzeilen – zumindest, solange sich nicht der erste Bundesliga-Spieler outet. Der DSF-Autor Aljoscha Pause hat dieses weitgehend verborgene Thema dennoch über zwei Jahre intensiv und nachdrücklich verfolgt, hat darüber zwei Filme gedreht, die nicht sensationssüchtig, sondern eher das Gegenteil sind – manchmal sogar sehr leise und in vielerlei Hinsicht traurig. Seine beiden Filme sind im besten Sinne aufklärerisch. Im ersten Film, “Das große Tabu”, zeigt Pause einen Missstand; im zweiten – “Tabubruch” – beschreibt er, wie versucht wird, diesen Misstand zu beheben. Das ist von einer Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit, die vorbildlich ist für den gesamten Sportjournalismus im Fernsehen.”


Der Film ist bei Youtube zu sehen und auch dort herunterzuladen.

Während die Zeit am Beispiel vom Outing Gareth Thomas, dem walisischen Rugbytier und Weltgröße in seiner Sportart, belegen will, dass sich homosexuelle Männer auch im deutschen Nationalsport nicht mehr vor einem Outing fürchten müssen, zeigt die Doku wertungsfrei den momentanen Stand bei Fans, Coaches und Dr. Theo Zwanziger, der ein Outing untertützen würde. In der ersten Doku des DSF bringt  Christoph Daum Homosexualität in Zusammenhang mit pädophilen Übergriffen. Das macht dann wieder sprachlos.

Und wie steht’s mit den Frauen?

Tanja Stelzer resümiert im  Tagesspiegel: “Frauenfußball gilt als Lesbensport, vielleicht auch das ein Grund, warum er so wenig Anerkennung findet und sich so schlecht vermarkten lässt. In der Welt der Werbung kommen lesbische Frauen nicht vor. Tina Theune-Meyer schätzt in ihrer Diplom-Arbeit, dass 20 bis 40 Prozent der Fußballerinnen lesbisch sind.”

Lezmag zitiert den Wiener Sportsoziologen Otmar Weiß : „Der hohe Anteil an Homosexuellen im Frauensport stellt ein „Riesenproblem“ dar. „Viele junge Mädchen können mit diesen Erfahrungen nicht umgehen, sind überfordert und werden häufig im Stich gelassen” . Und fügt eine Aussage von Ingrid Kornberger, Trainerin im österreichischem Feldkirchen hinzu: “Es gibt auch Diskriminierungen gegen Heterosexuelle. Viele Mädchen müssen oft den Fußball aufgeben, weil deren Eltern Angst haben ihre eigene Tochter könnte dadurch auch lesbisch werden.” Sie geht von einer Zahl von 80 Prozent Lesben im Fussball aus.

Ergo: es gibt wohl Lesben im Fussball (ach!), die sind in einer androzentristischen Welt aber keine Bedrohung und lassen sich schlecht vermarkten. Es sei denn, sie sehen aus wie Angelina Jolie, machen Trikottausch und beflügeln die erotische Phantasie.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW will lesbisch-sein im Fussball vor der WM 2011 thematisieren: Für ihre Aktion “für Offenheit und Akzeptanz von Homosexualität im Fussball”  hat die Fotografin Monica Brauer vier Plakatmotive gestaltet  um auf die nach wie vor existierende Diskriminierung und Unsichtbarkeit von lesbischen Frauen in der Fußballwelt aufmerksam zu machen. Davon, dass Sportreporter nicht nur über Ehemänner und Kinderkriegen von Fussallfrauen berichten, sondern auch von Partnerinnen, sind wir wohl noch was entfernt. Und von einem Untertrikot, auf dem “schwul” steht auch.

mehr zu fussball und homosexualität auf http://www.reflect-online.org/index.php?id=209

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1 Comments

  1. Pet

    http://queerpassbayern.de, der erste schwule FC Bayern Fanclub verweist auf Seiner webpage ein ZDF- Beitrag zu Amarell. Schön dass die Reportage Mario Weiße zu Wort kommen lässt, auch wenn ich nicht FC Bayern Fan bin :-)


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