Die Naomi von nebenan

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Posted 31 Dez 2009 in Konsum, To Good to be True

Brigitte macht Ernst: Im neuen Heft fliegen Naomi, Claudia und Linda raus. Stattdessen führen Ina, Sarah und – äh – Brigitte die neuesten Modetrends vor. Mit der Aktion “Brigitte ohne Models” gelingt der alten Dame der deutschen Frauenzeitschriften hoffentlich mehr als ein PR-Gag.

“Weil Kleidung heute keine Frage von Trends, sondern von Persönlichkeit ist. Weil neue Looks nicht nur auf dem Laufsteg entstehen, sondern auf den Straßen, in der Schule, auf Konzertbühnen, im Kino, im Café um die Ecke. Weil wir Mode und Beauty in Zukunft an Frauen zeigen wollen, die nicht den oft perversen Gesetzen des Modelgeschäfts unterworfen sind, sondern mitten im Leben stehen.” Die Macherinnen machen nicht mehr mit bei Magermode an genormten Models. Klingt erst mal gut.

Modemacher gaben der neuen Linie keine Chance: Zu wenig Haute Couture, die überhaupt in Normalgröße existiert, Bewegungen und Ausdruck seien Resultate von Profimodel-Jobs und nicht von guter Laune am Set. So weit, so vorhersehbar. Aber auch die Leserinnen diskutierten kontrovers: Viele begrüßen den Schritt als mutig und wegweisend für den Abriß klassischer Schönheitsideale. Andere Frauen kritisieren, dass durch Diättipps und Strickmuster dennoch ein konventionelles Frauenbild zementiert würde – nur eben in Größe 38/40 statt in 32/34. Ob das dann unbedingt neue Perspektiven für/auf/von Frauen sind, scheint eher unwahrscheinlich. Ich persönlich hätte nichts gegen das ein oder andere moderne Mädchen von nebenan einzuwenden, wenn es denn so schmuck ist, wie dieses – übrigens Model der Londonder Agentur ugly models.

Auch wenn die Kombi aus saisonal wiederkehrenden Einrichtungstipps, Modestrecken und Betroffenheitsreportagen wenig innovativ ist, setzt “Mode ohne Models” doch immerhin ein Signal im Einheitsbrei der Frauenzeitschriften. Und dass Brigitte plötzlich feministisch und revolutionär wird – nur weil sie nette Damen von nebenan zeigen – war vermutlich nie geplant.

Insofern: gespannt sein, Heft kaufen und selbst gucken! Für alle anderen gibt´s ja zum Glück Missy Mag, Bitch und viele spannende Blogs.

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3 Comments

  1. Bei dieser Brigitte-Aktion bin ich total hin- und hergerissen: Einerseits find ichs gut, ein Anfang, wie du schreibst. Andererseits vermute ich nur einen Marketing-Trick und werde ein Heft mit der neuen Diät auf dem Titel sicher nicht kaufen. Gestern hatte ich zufällig ein Brigitte-Heft von 1979 in der Hand. Das Heft war damals sehr journalistisch, viele längere, differenzierte Texte, Reportagen, Gleichberechtigungsthemen (Artikel über sexistische Werbung – unglaublich, was es damals gab!) – und zugleich Kochrezepte, Kosmetik, Kindererziehung. Was die Qualität der Texte und Themen angeht, kann die heutige Brigitte da überhaupt nicht mehr mithalten.

  2. Arielle

    @ Lucy: Ich habe das Heft jetzt auch mal durchgeblättert – die Models sind durchaus gut ausgewählt, finde ich. Aber die neue Ära wird leider von den balkendicken Diättipps auf dem Cover konterkariert. Klassische Doublebind-Botschaft: Wir sind gegen die klassischen Schönheitsnormen, aber schlank müsst ihr trotzdem sein. Ärgerlich. Die 70-er Jahre-Brigitte ist sicher interessant – gibt es Scans?

  3. Pet

    die zeit berichtete auch über das Brigitte Novum. dieser artikel hier gefällt mir gut
    http://www.zeit.de/gesellschaft/2009-10/brigitte-initiative-magermodels?page=1


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